
Stephanie Renner und Conrad
Fritzsch sind Gründer und
Geschäftsführer von tape.tv |
Web-VJ
Das waren noch Zeiten, als MTV ein (guter) Musiksender war. Da die aber leider der Vergangenheit angehören, haben Stephanie Renner und Conrad Fritzsch das Musikfernsehen kurzerhand ins Internet verlagert. Ihr Anliegen: „Gute Musik nonstop in perfekter Audio- und Video-Qualität dort auszuliefern wo die Interessenten sich befinden – im Internet.“ Ihr Online-Fernsehsender tape.tv ist derzeit mit rund 12.000 Original-Clips bestückt, die direkt von großen Musik-Labels zur Verfügung gestellt werden.
"Elektrokasten" und "Hip Hop Hooray"
Wodurch sich die Macher von tape.tv von der unübersichtlichen Internet-Masse absetzen wollen: einfache Bedienung, kostenlose Benutzung sowie Musik rund um die Uhr – und zwar immer genau das, was der User gerade sehen und hören will. Die Bedienung der Seite ist in der Tat relativ simpel. Die Musikvideos können nach Genres wie „Elektrokasten“, „Pop Kultur“ oder „Hip Hop Hooray“ ausgewählt werden, es kann mit dem Button „More“ nach ähnlichen Stücken gesucht werden oder aber der Nutzer stellt sich seinen persönlichen Nonstop-Stream zusammen. Ein weiteres Programm, das die Videos passend zu jeweiligen Stimmung wählt, ist in Planung. Im Online-Shop sollen demnächst Kaufvideos per Download, CDs, Konzertkarten und ausgewählte Merchandising-Artikel angeboten werden.
Pop-Ups vs. Video-Werbung
„Du kannst uns alles sagen“ lautet die Aufforderung der Gründer zum Feedback. Dann tun wird das doch mal. Logisch, dass die Sache mit der kostenlosen Benutzung einen Haken hat, nämlich den, dass die Seite durch Werbekunden finanziert wird. Stephanie Renner und Conrad Fritzsch legen großen Wert darauf, dass auf tape.tv keine lästigen Pop-Ups das pure Musikerlebnis stören. Stattdessen gibt es hier ausschließlich Werbeclips vor oder nach jedem dritten Musikvideo, die nicht übersprungen werden können. Wie damals im Musikfernsehen eben. Der entscheidende Unterschied: tape.tv läuft im Internet – welches doch unter anderem deshalb so erfolgreich ist, weil es auf dem Selbstbedienungsprinzip basiert. Pop-Ups sind zwar nervig, man kann sie aber wenigstens wegklicken. Video-Werbung nicht.
Auf einem guten Weg
Von diesem kleinen Kritikpunkt mal abgesehen, ist tape.tv auf einem guten Weg, den Auftrag auszuführen, den das Musikfernsehen vor langer Zeit mal zum Ziel hatte: qualitativ hochwertige Clips ausstrahlen. Mehr Spaß hätte der gemeine Internet-Nutzer jedoch daran, wenn er innerhalb der Videos vor- und zurückspulen könnte. Ein bisschen weniger Fernsehen und eine Kleinigkeit mehr Internet wären von Vorteil. Der Plan der Gründer scheint trotzdem aufzugehen – zu den wichtigsten Video-Lieferanten gehören immerhin Sony BMG, Warner und Universal. Fehlt eigentlich nur noch Markus Kavka als VJ. |