
tape.tv-Geschäftsführer
Conrad Fritzsch will sich
mit der Gema einigen |
Musik im Netz
"Die Tarife der Gema sind nicht zeitgemäß"
Der Lizenzstreit zwischen Youtube und der Verwertungsgesellschaft
Gema, voraufhin die Video-Plattform mehrere
Tausend Musikclips sperren ließ, war eines der bewegenden
Themen der letzten Tage. Welche Auswirkungen hat dieser
Konflikt auf den gesamten Online-Musikvideomarkt? 'new
business' sprach mit Conrad Fritzsch, Geschäftsführer der im
Juli 2008 gelaunchten Musik-Platlform Tape.tv, Berlin.
nb: Herr Fritzsch, sehen Sie in dem Streit zwischen Gema und
Youtube eine generelle Bedrohung des Online-Musikvideomarktes?
Fritzsch: Nein, auf keinen Fall. Die Gema und YouTube werden
sich mittelfristig über ein sinnvolles Modell einigen. YouTube
ist für die Musikindustrie und die Künstler zu wichtig, als dass
die Gema hier an keiner Einigung interessiert sein könnlte.
nb: Wie beurteilen Sie die aktuellen Gebührenforderungen
der Gema?
Fritzsch: Die aktuellen Tarife der Gema sind durch den starken
Wandel des Mediums Internet und den daraus resultierenden
Veränderungen des Medienwandels nicht zeitgemäß.
nb: Wäre in so einem Fall Ihr Geschäftsmodell gefährdet?
Fritzsch: Ja natürlich. Wenn die Berliner BVG Bahntickets
auf einmal für 8.000 Euro verkaufen würde, wäre dieses Geschäftsmodell
auch gefährdet.
nb: Wie sieht die Vereinbarung zwischen Tape.tv und der
Gema aus?
Fritzsch: Schon vor Sendestart begann ein reger Austausch
zwischen Tape.tv und der Gema. Beide Parteien sind daran
interessiert, ein passendes Tarifmodell zu finden,
das den Künstler
angemessen entlohnt
und das auch zu erwirtschaften
ist. Da Tape.tv
den Usern kostenlos individualisiertes
Musikfernsehen
bietet, bei dem
sie pre-programmed
Inhalte bekommen, unterscheidet es sich stark von anderen
usergenerierten Content-Portalen wie YouTube. Tape.tv ist
kein On-Demand-Dienst, sondern bietet Fernsehen im Netz.
Dafür existiert zurzeit kein Gema-Tarif.
nb: Könnte es auch bei Tape.tv zu einem ähnlichen Konflikt
mit der Gema kommen?
Fritzsch: Nein, zurzeit sehen wir kein Konfliktpotenzial, da unsere Verhandlungen von gegenseitigem Verständnis geprägt
sind und zusätzlich wie viele andere auch Tape.tv ein
Mitglied der Bitkom geworden ist.
nb: Welches Vereinbarungsmodell, das für beide Seiten akzeptabel
ist, würden Sie vorschlagen?
Fritzsch: Tape.tv zeigt zwar weniger Videos als YouTube, bietet
aber schon eher die Möglichkeit, Musikfernsehen im Netz
auch für die Musiker als Verdienstmöglichkeit zu nutzen. Da
dies auch irn Interesse der Gema liegt, wird sich da sicher
eine adäquate Vereinbarung finden. (mm) |