
Conrad Fritzsch |
tape.tv weiter auf Erfolgskurs
MDie Zeiten des klassischen Musikfernsehens sind vorbei. Das zumindest glauben die tape.tv-Gründer
Stephanie Renner und Conrad Fritzsch. Im Juli 2008 ging die Website für Musikvideos des Berliner
Unternehmens online. Rund um die Uhr können User aus acht Musikgenres Videos auswählen und kostenlos
anschauen. Im Interview mit business-on.de spricht Conrad Fritzsch über bisherige Erfolge und zukünftige
Entwicklungen.
business-on.de: Das Berliner Start-Up tape.tv bietet seit Juli
2008 Musikvideos im Internet an. Gegenüber den klassischen
Musiksendern wie MTV oder VIVA will tape.tv individualisiertes
Musikfernsehen ohne lästige Klingeltonwerbung ins Internet
bringen. Wie wird dieses Angebot von den Internetnutzern
angenommen? Wie hat sich tape.tv seit dem entwickelt?
Conrad Fritzsch: tape.tv hat sich extrem rasant und prächtig
entwickelt. Dass wir mit unserem Angebot genau den richtigen
Content in der vom Zuschauer gewünschten Form liefern, belegen
die Zahlen: Nach nur sieben Monaten zählen wir bereits 200.000
Unique User, die im Monat 2 Mio. Videos abrufen (Stand
Dezember 2008). Im Vergleich zu anderen Anbietern sind wir mit
durchschnittlich 26 Minuten führend in der Verweildauer. Die
Zahlen werden weiterhin stark steigen, was uns schon jetzt zu
einem ernst zu nehmenden Wettbewerber für die derzeitigen
Marktführer macht.
business-on.de: Wo holen Sie und ihr Team sich Inspirationen
für tape.tv her?
Conrad Fritzsch: Im Prinzip finden sich überall Inspirationsquellen. Ich bin von Produkten begeistert, die zwar
hochkomplex in ihrer Funktion sind, von uns jedoch intuitiv bedient werden können. Solche Dinge sind nicht auf
Technologien wie das Internet oder konkret das iPhone beschränkt. Auch ein simpler Bürostuhl kann begeistern, wenn
er einfach und durchdacht gemacht ist, d.h. ich setze mich und kann ihn ohne 80-seitige Bedienungsanleitung für mich
einstellen. Genau das ist unser Antrieb für tape.tv: ein schlaues Angebot, was einfach und gleichzeitig absolut
individuell ist.
business-on.de: Seit Kurzem kooperiert tape.tv mit studiVZ und meinVZ. Wie genau sieht diese Zusammenarbeit
aus?
Conrad Fritzsch: Auf tape.tv machen wir Musikfernsehen. Bei studiVZ und mein VZ ist das anders. Der User hat
einen bestimmten Beweggrund, warum er das Netzwerk nutzt. Wenn er also seine Community besucht, wollen wir ihn
nicht unterbrechen, sondern einen Mehrwert bieten. Bei studiVZ treffen sich die Leute z.B., um mit anderen in Kontakt
zu treten und miteinander zu reden. Im Grunde liefern wir das Thema innerhalb einer dafür ins Leben gerufenen VZGruppe:
in unserem Fall Musik. Unser integrierter tape.tv-Player zeigt jede Nacht 20 Videos zu unterschiedlichen
Themen. Zum Beispiel präsentiert „Frischware“ die neusten Clips der Woche und unter dem Titel „Kurzurlaub" geht es
musikalisch um die Welt. Unser Ziel ist – und das gilt für alle Kooperationen –, sowohl die Attraktivität der Website als auch die jeweilige Verweildauer und Userbindung zu erhöhen.
business-on.de: Welche Videos werden die Nutzer von studiVZ und meinVZ zu sehen bekommen?
Conrad Fritzsch: Das nächtliche Programm widmet sich in insgesamt sieben wiederkehrenden Formaten und
weiteren Specials unterschiedlichen Themen. Die Videos werden immer passend zum Thema der Nacht von unserer
Redaktion ausgewählt und zusammengestellt. Dabei greifen wir auf unsere gesamte Clipsammlung zurück. Von den
vier Major-Labels Sony-BMG, EMI, Universal und Warner über Indies bis hin zum einzelnen Künstler finden sich im
virtuellen Videoregal von tape.tv mittlerweile mehr als 17.000 Musikvideos – genreübergreifend und über die gesamte
Bandbreite der Musikvideo-Ära.
business-on.de: tape.tv finanziert sich durch Werbeeinnahmen. Nach jedem dritten Videoclip wird ein Werbeclip
gezeigt. Kann diese Rate auch in Zukunft beibehalten werden oder müssen die User in Zukunft mit mehr Werbung
rechnen?
Conrad Fritzsch: Eher weniger. Wir wollen langfristig weg von der Werbeunterbrechung zwischen den Clips. Ich bin
überzeugt, dass die klassische TV-Werbepause nicht auf das Internet übertragbar und das Kürzen der Spots auf
Zehnsekünder keine Lösung ist. Deshalb haben wir ein neues Bewegtbildformat entwickelt, das zeitgleich zum
Musikvideo in der Umrahmung des Clips ausgestrahlt wird. Dieses von uns „360° Motion Ad“ getaufte Format erzeugt
eine enorme Aufmerksamkeit, unterhält und macht dem User Spaß, was die sehr guten Interaktionsraten belegen.
business-on.de: Die Seite bietet verschiedene Musikgenres an. Werden diese in Zukunft noch durch andere Genres
erweitert?
Conrad Fritzsch: Die Idee von tape.tv ist intelligentes Musikfernsehen. Mit einem Klick kann ich mein eigenes
Programm machen und die Clips sehen, die ich will – ohne dass ich mich mit Musik oder Technik beschäftigen muss.
Jeder kann sein eigenes Non-Stop-Programm basteln, sein Lieblingsgenre, einen einzelnen Künstler oder
Lieblingsclips vorgeben. tape.tv stellt automatisch die neusten Videos passend zum individuellen Geschmack vor. So
entsteht ein hochgradig individualisiertes Produkt, das intuitiv zu bedienen bleibt. Und genau darin liegt unsere Aufgabe
für die Zukunft. Wir wollen tape.tv noch individueller und noch einfacher machen. Unser Ziel ist daher nicht, unendlich
viele Genres zu schaffen, sondern die Einfachheit sowohl technisch wie redaktionell bei einer wachsenden Clipauswahl
beizubehalten. Wir setzen dabei speziell auf die Weiterentwicklung der Channels.
Bisher gibt es acht Special Features, die unter einem bestimmten Thema Clips vorstellen, z. B. Rock’n’Roll mit „dreh
lauter“, um die Welt mit „heimweh“ oder Live-Clips der Musikevents von T-Mobile auf dem gleichnamigen „electronic
beats“ Channel. Demnächst können Nutzer mit den neuen Mood Channels Videos passend zur individuellen Stimmung
sehen.
business-on.de: Welcher Videoclip war im vergangenen Jahr Ihr Lieblingsclip?
Conrad Fritzsch: Der Clip zu „The Fear“ von Lily Allen. |