Foster The People

Foster The People

„Wir wollen einfach, dass die Leute sich besser fühlen“ Auf den ersten Blick erscheint Mark Fosters Leitbild für seine Band Foster The People erschreckend einfach, aber dieser kurze und aufrichtige Satz birgt einen erstaunlichen Tiefgang. Genau wie mit ihrem Bandnamen, der übersetzt dazu aufruft, die Menschen zu pflegen oder zu fördern, demonstrieren Foster The People hiermit einen Ansatz, der in der Musikszene sehr selten zu hören ist. Zu häufig ist Indie-Rock in jeder Hinsicht genauso auf Beurteilungen und Kritiken angewiesen wie die Trendkultur, der er als Alternative dienen soll. Es ist also nicht erstaunlich, dass eine Gruppe von Freunden aus Los Angeles, die gemeinsam in einer Band spielen und eine derartig umfassende Philosophie haben, sich immer noch als Außenseiter fühlen – sie wollen nicht die angesagteste Band von allen sein, sondern einfach nur deine Lieblingsband. Und zum Glück hat ihr ungezwungen cooler Soundtrack zum ewigen Sommer genau das Potenzial, das zu erreichen. Mark Foster hatte keine Ahnung, was er vom Leben erwarten sollte, als er sich in seiner Heimatstadt Cleveland, Ohio, auf seinen Highschool-Abschluss vorbereitete. Natürlich wäre es einfach zu sagen, dass er irgendwann an einem Scheideweg stand; aber das würde bedeuten, dass er eine klare Entscheidung hätte treffen müssen – für den einen Weg oder eben für den anderen. Obwohl er in einer ganzen Reihe von Bands spielte, brachte keiner dieser Versuche Foster dazu, ernsthaft über eine Karriere als Musiker nachzudenken. Stattdessen war es ein erstaunlich ehrlicher Rat seines Vaters, der alles ins Rollen brachte. Der hatte seinem Sohn im Alter von sechs Jahren eine Beach-Boys-Kassette geschenkt und ihn danach so glücklich wie nie erlebt. So hatte der Vater immer gewusst, wo genau Marks wirkliche Leidenschaft lag. „Zieh nach Los Angeles“, riet er ihm. „Versuch es ein Jahr lang oder so. Und wenn es nicht klappt, bist du immer noch jung genug und hast alle Möglichkeiten.“ Mit einem Highschool-Abschluss in der Tasche und nur wenigen Bekannten in der Stadt musste die plötzlich eingetretene völlige Freiheit den Achtzehnjährigen unweigerlich ins absolute Chaos stürzen. In Hollywood lebte er in einer billigen Absteige, in der Besuche von armenischen Gangstern und einem Zuhälter namens Pockets an der Tagesordnung standen. Die unzähligen Jobs, die Foster annahm, waren allesamt so eintönig und undankbar, dass die Arbeit als Pizzafahrer heute zu seinen schönsten Erinnerungen aus dieser Zeit zählt. Zur Ernährung reichte ihm ein einziger Hot Dog am Tag. Und doch ließ er das große Ziel nie ganz aus den Augen. Ein Jahr später machte er sich dazu bereit, den Schritt zu gehen und ein echter Songwriter zu werden. Zunächst frischte er dafür seine Fertigkeiten am Klavier wieder auf, die 15 Jahre lang im Tiefschlaf gelegen hatten. Dann kaufte er das Allernotwendigste um selbst produzieren zu können – einen einfachen PC, Cubase Software und einen MIDI Controller. Zur Inspiration beschäftigte er sich mit Synthi-Pop und Post-Punk, mit New Order, Joy Division und David Bowie, Viereinhalb Jahre später fand er sich in so ziemlich genau der gleichen Situation wieder wie damals in Cleveland – orientierungslos, ausgebrannt und immer kurz vor der großen Veränderung, die dann doch niemals eintrat. Und auch wenn er sein Leben lang immer extrem unabhängig gewesen war, war er doch auch klug genug, seine eigenen Grenzen zu erkennen. So suchte er Leute, mit denen er seine Vision gemeinsam umsetzen konnte. In einer so großen Stadt wie Los Angeles, in der die Musikszene so inzestuös ist und jeder in mehr als nur einer Band spielt, hatte er enormes Glück, auf den Bassisten Cubbie Fink und den Schlagzeuger Mark Pontius zu treffen. Nachdem die drei sich gefunden hatten, begann die Zeit, in der laut Foster plötzlich alles stimmte. Und das liegt vermutlich daran, dass jedes Bandmitglied eine Eigenschaft einbringt, die die drei auch für Außenstehende klar voneinander abgrenzt: Foster ist die künstlerische Antriebskraft, Fink die emotionale Verbindung und Pontius der kühle und logisch denkende Ruhepol. Mit Fink und Pontius kam eine völlig neue Richtung in die Entwicklung der Band. Ohne sie hatte die Nadel auf Fosters künstlerischem Kompass wie wild ausgeschlagen – eine völlig abgedrehte Mischung aus allen seinen früheren Interessen. Kurz nach ihrem Zusammenschluss im Oktober 2009 traten die drei zum ersten Mal in der Dakota Lounge in Santa Monica auf; für etwa 30 Freunde im Publikum. Vielleicht ein etwas bescheidener Anfang – aber an diesem Abend wurde allen Bandmitgliedern klar, dass sie etwas Echtes hatten; etwas, auf das sie sich konzentrieren konnten. So wunderbar ihr erster Auftritt auch war, verblasst er doch im Vergleich zu der Begeisterung, die ihre erste Single „Pumped Up Kicks“ hervorbrachte – obwohl sie zunächst nur über die Band-Webseite veröffentlicht wurde. Dann aber bat ein Freund, der für das NYLON Magazine arbeitete, sie darum, die Single für eine Internet-Kampagne für die Modeikone Anna Sui verwenden zu dürfen. Schon im Februar 2010, kaum ein Monat nachdem der Song der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, schrieb das Magazin BlackBook, dass Foster The People „den Song zum nächsten Sommer“ geschrieben hätten. Und auch abgesehen von der Jahreszeit war eins völlig klar: Foster The People hatten einen Hit! Die Welt war aufmerksam geworden und die Band schöpfte das voll aus. Die Botschaft von ihrer „super-eingängigen“ Musik verbreitete sich so schnell, dass es selbst in Zeiten der ohnehin schon rasanten Verbreitung durch das Internet bemerkenswert war. Und dabei ging es nicht um einige Blogs, die sich gegenseitig zitierten. In Großbritannien bezeichnete der Guardian „Pumped Up Kicks“ als „alternative Hymne“ und lobte gleichzeitig die Vielschichtigkeit der anderen Songs. Und auch der einflussreiche NME machte Foster The People im Juni 2010 zur „Radar Band of the Week“. Ebenso positiv aufgenommen wurden die drei zuhause in den USA: von Radar bis MTV überschlugen sich alle mit Superlativen und man war sich einig: hier steht eine Band kurz vor ihrem absolut unvermeidlichen Durchbruch. Viele Künstler sind unter dem Gewicht einer so schnellen Entwicklung schon zusammengebrochen, aber Foster The People bleiben konzentriert bei der Sache. Das ermöglicht ihnen die Musik selbst, die Foster mit „wenn Brian Wilson und Aphex Twin einen erwachsenen Sohn hätten“ beschreibt. Und das ist sicherlich nur teilweise scherzhaft gemeint, da sich ganz klar sagen lässt, dass die komplexen elektronischen Spielereien in der Musik von Foster The People die klassischen Elemente der Pop-Musik niemals überschatten. Mit ungehemmten Empfindungen glänzen Foster The People auf ihrer gleichnamigen ersten EP. „Pumped Up Kicks“ eröffnet das Werk mit seiner unnachahmlich ansteckenden Stimmung – ein Song zum Mitsingen zu einem hämmernden Beat und einem unwiderstehlichen Basslauf. Darauf folgt mit „Helena Beat“ ein Stück, das den kantigeren Synthesizer-Sound der Band unter Beweis stellt. Den Abschluss bildet „Houdini“, ein klavierdominierter Song, der mit seiner lebhaften Melodie und den ausgelassenen Beats danach schreit, immer und immer wieder gespielt zu werden. Foster The People ist nicht einfach nur ein Wortspiel, das auf dem Nachnamen des Sängers basiert, sondern ein ernst gemeinter Aufruf dazu, die Menschen tatsächlich zu fördern und zu unterstützen. Ein Aufruf einer Band, für die das Glück ihrer Hörer an allererster Stelle steht.

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